Archiv für Juni 2010

Knast Hausbar

19 Uhr VoKü: veganes Abendessen gegen Spende

20 Uhr Erfahrungsbericht:

In der Türkei wurden die Gefängnisse nach EU-Standards „modernisiert“. Dies bedeutet, dass die Großraumzellen. wo ausgiebiges Sozialleben der Gefangenen möglich war, abgeschafft wurden und durch isolierte kleine Zellen u.a. mit Isolationsfolter (Urteil nach a.i.) ersetzt wurden, die sogenannten F-Typ-Gefängnisse. Die Umstellung war von massiven Hungerstreiks, Gefängnissbesetzungen, Geiselnahme der Wärter und einem Massaker durch das Militär begleitet. Der Referent hat das alles miter- und überlebt underzählt davon.

ab ca. 22 Uhr Hausbar mit Cocktails

Veranstaltet vom Anarchistischen Netzwerk Tübingen & der Antispe Tübingen
in der LU15 am Sternplatz, Buslinien 4, 7, 8

Flugi

Anti-Knast-Demobericht 19.06.10

Am Samstag den 19.Juni fand in Tübingen eine Demonstration gegen eine „geknastete Gesellschaft“ statt. Der Anlass war ein gleichnamiger Aktionstag im deutschsprachigen Raum, ausgerufen von verschiedenen Gruppen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz. (http://autonomes-knastprojekt.blogspot.com/)

Ziel der Demonstration war es, nicht nur auf Gefängnisse als extreme Form der Überwachung und des Strafens einzugehen, sondern auf dieses Prinzip in der gesamten Gesellschaft. Demnach gab es nicht nur Beiträge von Anne, die zur Cannabisproblematik und dem Gefängnisaufenthalt Jürgen Hahnels in Rottenburg erzählte, von der Marxistischen Aktion Tübingen zu baskischen Gefangenen, von der Antispe Tübingen zu den Angeklagten österreichischen Tierrrechtler*innen und vom Bündnis gegen Abschiebehaft, sondern auch vom Anarchistischen Netzwerk Tübingen zu Überwachen und Strafen allgemein und von der Montagsdemo zur Knastähnlichkeit der Behandlung von Harz4-Empfänger*innen.

Auf ihrer Route vom Holzmarkt durch die Altstadt zum Marktplatz kam die Demo auch am Untersuchungsgefängnis in der Doblerstraße vorbei, wo den Insassen Grüße übermittelt wurden. An der Demonstration nahmen ca. 40 Teilnehmer*innen teil.

Zur Demo hatte unter anderem das Anarchistische Netzwerk Tübingen aufgerufen.

Nach der Demonstration begaben sich 10 Teilnehmer*innen zum Untersuchungsgefängnis um „gegen Knäste zu raven“. Ca. 20 min lange vegnügten sich Teilnehmer*innen und Insassen an lauter Musik mittels Lautsprecherhandwagen. Die Aktion wurde entsprechend der Rufe hinter der Knastmauern von den Insassen offensichtlich freudig aufgenommen. Als dann der Ordnugnsamtstellvertreter mit zwei Polizisten den Leuten einen Platzverweis erteilt, merkte er noch an, dass die Wärter*innen jetzt aufgrund der lauten Musik „Probleme mit den Insassen“ hätten.

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Redebeitrag auf der Antiknastgesellschafts-Demo

Warum eine Demo gegen eine geknastete Gesellschaft?

kurz gesagt, weil Strafen nur die Wenigsten gebessert haben, weder die Bestraften noch die Bestrafenden.
Im derzeitigen Wirtschafts- und Sozialsystem wird einerseits eine ständige Konkurrenz aller gegen alle gefordert, sei es um einen Arbeitsplatz, einen Studienplatz, einen Partner/eine Partnerin. Die daraus folgende Entsolidarisierung der Gesellschaft wird entweder geleugnet oder auf die Asozialen/ die Arbeitsscheuen/ die Ausländer projeziert, um nicht über die materiellen und sozialen Voraussetzungen nachdenken zu müssen. Wir leben in einem System in dem der Wert eines Menschen einzig in seiner wirtschaftlichen Nutzbarkeit liegt. Das kann mensch jeden Tag hören. gestern schreibt wieder irgendein Wissenschaftler über zu hohe Sozialleistungen, heute redet wieder irgendein Politiker über die Dekadenz der Armen, denen es viel zu gut gehe. Die Argumentaton, die zum Kürzen genutzt wird, ist zB, das der Abstand zwischen Lohn und Sozialleistung zu klein ist, um Beschäftigungsanreize zu setzen.

Anstatt nun aber die Löhne zu steigern wird lieber andersrum verfahren, trotz oder vieleicht auch gerade wegen der steigenden Anzahl der workingpoor, also Leuten die trotz Jobs nicht genug verdienen um ein halbwegs würdevolles Leben zu führen. Arme und Arbeitslose werden in dieser Gesellschaft stigmatisiert, zu Menschen zweiter oder dritter Klasse, was man auch wieder gut an den aktuellen Kürzungsplänen der Regierung sehen kann. Während Spitzenverdiener kaum oder gar nicht belangt werden, sollen die die sowieso kaum genug zum leben haben, doch bitte endlich mal den Gürtel enger schnallen und den Mund halten. Kämpferische Gewerkschafter werden mit Bagatellkündigungen rausgeworfen, unabhängige Gewerkschaften in ihrer Arbeit behindert. Gleichzeitig werden wir jeden Tag mit Werbung bombadiert, die uns einredet, dass wir nur mit diesem Deo die Chance auf eine_n Partner_in, nur mit jenem Auto oder Handy überhaupt als ernst zu nehmender Mensch gelten können.

In einer Gesellschaft in der ein solcher Drang zu materiellen Statussymbolen bei gleichzeitigem Geldmangel besteht, scheint es nicht allzu abwegig zu sein, das Viele versuchen sich diese Dinge zu beschaffen, ohne dabei auf Gesetze zu achten, sei es der Ladendiebstahl als jugendliche Mutprobe oder die Falschangaben in der Steuererklärung.

Viele Häftlinge sitzen wegen Drogendelikten. Wie auch immer man persönlich zum Drogengebrauch steht, es ist schon sehr zynisch, dass Politiker die sich gerne beim Starkbieranstich mit Maßkrug zeigen, anderen ihre Genussmittel vorschreiben wollen. Während Staat&Industrie mit Tabak, Alkohol & Medikamenten Milliarden einnehmen, werden Leute wegen ihrer Marihuanazucht ihm heimischen Garten eingebuchtet, obwohl sie weder sich noch andere übermäßig gefährden. Wer mit Alkohol, Tabak und Valium stark suchterzeugende Stoffe frei verkauft, dem liegt wohl kaum an der Gesundheit seiner Mitmenschen. Anstatt über Drogen vernünftige Aufklärung zu betreiben und so eine Mündigkeit zum Umgang mit (potenziell) suchterzeugenden Substanzen und Verhaltensweise zu ermöglichen, wird ein Teil der Drogen verboten. So werden Schwarzmarkt, aggressive Dealerei, Streckmittelverseuchung und andere Probleme erst hervorgerufen. Heroinabhängige könnten mit sauberem Heroin gesund sehr alt werden, stattdessen sterben sie an Streckmitteln (Rattengift ist ein beliebtes), daraus resultierenden Fehldosierungen, in Knästen am kalten Entzug, werden mit Beschaffungsproblemen gewalttätig gemacht und kriminalisiert oder verenden zu Tausenden am legalen Alkohol. Drogentote sind daher Opfer der Prohibitionspolitik. Dazu kommen unzähligen Cannabis-Konsument_innen, die es in jeder Schicht der Gesellschaft gibt und die meistens nicht einmal sich selbst gefährden. Ihnen droht durch die Kriminalisierung der materielle und soziale Ruin. Dass diese Prohibitionpolitik, die ohne großzügige Nutzung von Knästen nicht möglich wäre, grausam und kontraproduktiv ist, ist offensichtlich. Leider werden jedoch solche Verlautbarungen, selbst von ausgewiesenden Expert_innen und z.B. der Caritas International, in den Massenmedien verschwiegen.

Dies ist nur ein besonders markantes Beispiel für das Mißtrauen gegenüber dem mündigen Individuum, das unsere ganze Gesellschaft durchzieht. Überall sind „Versatzstücke“ einer Knastideologie zu erkennen. Die Lebensbedingungen innerhalb und außerhalb der Knäste ähneln sich immer mehr. Wir werden tagtäglich überwacht und fordern diese Überwachung teilweise auch selbst ein, delegieren die Lösung von Konflikten an Anwälte und Behörden. Und fast vom Beginn uneres Lebens an begleitet uns die immer totaler werdende Institution: Ein Vierklassenschulsystem, das einer selbstbestimmten Persönlichkeitsentfaltung bereits von Kindern und Jugendlichen kaum mehr Raum läßt, behinderte Menschen aus dem Klassenzimmern und dem Bewustsein verdrängt; eine total verschulte Universität, die immer durchökonomisierter wird; die Pflicht zur Offenlegung unserer privatesten Lebensbereiche für das Job-Center; ein immer repressiveres Demonstrationsrecht…
Und die Menschen denen es gelungen ist, die Barrierren zu durchbrechen mit denen sich unsere Gesellschaft gegen diejenigen schützt, die auch vor den Verheerungen zu uns fliehen, die der Export unseres Wirtschaftssystems in ihren Heimatländern angerichet hat, und die nicht gleich in Abschiebelager gelandet sind, finden sich hier als Menschen dritter ode vierter Klasse wieder, entwürdigt und in ihren Handlungsmöglichkeiten extrem eingeschränkt (Residenzpflicht, Lebensmittelpakete oder Gutscheine statt Geld, Arbeitsverbot, usw.).
An all diesen Mauern, die uns voneinander und alle von einem wirklich menschenwürdigem Leben trennen, gilt es zu rütteln, selbst wenn es nicht aus Mitgefühl sei. Es zeigt sich doch immer wieder: Was sich bei Flüchtlingen „bewärt“ hat, wird als nächstes bei Arbeitslosen und schließlich beim Rest angewendet. Daher ist es allein schon aus purem Eigennutz sinnvoll, sich gegen diese Zustände zu wehren, anstatt sich zu denken : des goht mi doch nix ah.

Wer unter den Arbeits- und Lebensbedingungen psychisch krank wird, kann sich schnell in der Psychatrie wieder finden, die die Entmündigung auf die Spitze treibt. Können Strafgefangene meistens an einem mehr oder weniger festgelegten Datum mit ihrer Freiheit rechnen, ist die Entlassung aus der Psychatrie ganz im Ermessen der Psychiater. Das dort ebenfalls Konflikte weggesperrt und mit Medikamenten verdeckt, anstatt ursächlich gelöst werden, kann jedem Menschen klar sein, der sowas in seinem Umfeld erlebt hat. Dass Psychatrien billiger sind als Psychoanalysen oder andere Therapieformen, muss glaube ich nochmal betont werden. Dass Geiz nicht geil ist, zeigt sich auch hier. Statt Sinn oder Unsinn einer Therapieform wird wieder nach ökonomischer Logik verfahren.

Was immer als Argument für Knäste gebracht wird: Aber was wird dann mit den Gewalttätigen und Vergewaltigern gemacht? Da gilt es erstmal zu schauen, warum entsteht Gewalt? Sind daran die Erziehung oder vorherrschende Männlichkeits- und Beziehungsbilder verantwortlich? Das Gewalt nicht unbedingt das geeignetste Mittel zur Lösung von Konflikten ist, brauche ich nicht wirklich erwähnen, oder? Dass es für Viele die letzte oder einzige Möglichkeit zu sein scheint, ist jedoch tragisch. Strafen hilft jedoch hier auch nicht wirklich. Die Täter werden durch die Ohnmachtserfahrungen des Strafvollzuges nicht selbstständiger und lernen auch nicht, sich ohne Gewalt zu artikulieren. Resozialisieren sieht auf jeden Fall anders aus als Leute in graue Wände zu stecken, ihnen den ganzen Tag vorzuschreiben, was sie zu tun und lassen haben, und sie nach der Zeit der Fremdbestimmung auf die Straße zu schmeisen. Auch das verbreitete Bild der Vergewaltigung bei Nacht im Park stimmt so nur eingeschränkt. Der größte Teil der Vergewaltigungen wird von Bekannten, Freunden & Verwandten der Betroffenen verübt.
Studien legen nahe, dass Täter schon lange vorher frauenfeindliche Einstellungen haben und diese auch nach außen durch Witze und Bemerkungen zeigen Die Täter wegzusperren ist hier zum Schutz der Betroffenen gegenwärtig nicht zu vermeiden. Im Hinblick auf eine freiere Gesellschaft kann jedoch jeder Mensch etwas tun:
Hinterfragt eure Geschlechterbilder! Seht besonders Frauen nicht als Objekte an, die man einfach benutzen darf, sondern als gleichberechtigte und gleichwertige Menschen! Seht nicht weg, wenn Leute belästigt werden, sondern geht hin, fragt ob sie Hilfe brauchen, und helft oder organisiert Hilfe. Zeigt den Leuten, dass ihr sexistisches Verhalten nicht cool ist. Stärkt die Betroffenen von Gewalt.

Wer sich gegen diese Zustände wehrt, kann sich schnell Repression, also Unterdrückung, ausgesetzt sehen. Sei es der Knüppel oder der chemische Kampfstoff, also Pfefferspray auf der Demo. Sei es der Strafbefehl wegen Verunglimpfung des Staates, Aufruf zu Straftaten, oder gar ein Prozess wegen Bildung einer Kriminellen oder Terroristischen Vereinigung nach Paragraf 129, 129a oder b. Oder auch einfach die Kürzung der Leistungen, weil mensch es nicht einsieht, jeden noch so beschissenen Job anzunehmen, oder sich jede Demütigung einfach so gefallen zu lassen.

Liebe Leute, bevor ich euch jetzt noch länger nerv, komme ich zum Ende. Da dies hier ja eine Demo ist, und ich hier rede, kommt das Ganze natürlich nicht ohne Parolen aus! Deshalb fordern wir: Langfristig die Abschaffung aller Gefängnisse und eine freie, herrrschaftsärmere Gesellschaft ohne Knäste!
Hier und Jetzt aber: Die Abschaffung der rassistischen Abschiebehaft und sofortiges Bleiberecht für alle Flüchtlinge; ein Bildungssystem, das selbstbewusste, eigenständige Menschen hervorbringt, die die Fähigkeit erlernt haben, sich ihres Geistes ohne Hilfe eines Anderen zu bedienen; Abschaffung des Vierklassenschulsystems; gemeinsames Lernen, nicht nur Wissenwiederkäuen; freier Zugang zu Bildung für alle; die Freilassung aller Drogen- & Eigentumsgefangenen und die Einführung eines Sozialsystems welches diesen Namen verdient hat; die Freilassung aller politischen Gefangenen auch nach Paragraph 129a und 129b, und ein besserer und psychologisch sinnvoller Umgang mit Gewalttäter*innen. Her mit dem schönen Leben und uns hier endlich mal besseres Wetter. Dankeschön!

Demonstration gegen eine geknastete Gesellschaft!

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Aufruf zur Demo gegen eine geknastete Gesellschaft am 19.Juni um 14 Uhr am Holzmarkt Tübingen und zu Aktionen!

Am 19. Juni gibt es im deutschsprachigen Raum einen Aktionstag gegen eine geknastete Gesellschaft. Ziel ist es, den Blick darauf zu lenken, in welchem Maß „unsere“ Gesellschaft durch Strafen und Einsperrung am „Funktionieren“ gehalten wird. Dabei geht es nicht nur um die Gefängnisse als extremsten Ausdruck des Systems, sondern um das Prinzip der symptomatischer Unterdrückung statt ursächlicher Lösung an sich.

Eine wesentliche Funktion der Gefängnisse ist es zu verhindern, dass die Befürworter*innen dieser herrschenden Zustände sich mit den Problemen ihres Systems auseinandersetzen müssen. Davon sind nicht nur die Inhaftierten selbst betroffen, sondern auch die (potentiellen) Opfer z.B. von Gewalttaten. Weder werden die Gründe der Gewalt beseitigt noch werden Täter durch Haftstrafen resozialisiert. Das zeigen auch die Rückfallstatistiken.

In den Gefängnissen „sitzen“ 35% der Gefangenen wegen Vermögens- und Eigentumsdelikten (ohne jegliche Gewaltanwendung, Quelle: www.destatis.de). Das zeigt, dass das Knastsystem vor allem eins ist: ein System der Herrschaft und zur Beibehaltung der herrschenden Verhältnisse! Es sichert die Ungerechtigkeit, dass ein immer kleinerer Teil der Weltbevölkerung einen immer größeren Teil des Weltvermögens besitzt. In einer Welt voller Werbung, Konsumzwang und Statussymbolen müssen viele Menschen ohne Wohnung, Job, frische Kleider, (vernünftiges) Essen usw. überleben, bzw. auf den“Sozialstaat“ vertrauen, der selbst (u.a.) unter den Hartzgesetzen zu einem System des Überwachens und Strafens mutiert.

Weitere 15% der Gefangenen sind auf Grund von Drogen im Gefängnis. Anstatt vernünftige Aufklärung zu betreiben und so eine Mündigkeit zum Umgang mit (potenziell) suchterzeugenden Substanzen und Verhaltensweise zu ermöglichen, wird ein Teil der Drogen verboten. So werden Schwarzmarkt, aggressive Dealerei, Streckmittelverseuchung und andere Probleme erst hervorgerufen. Dazu kommen unzählige Cannabis-Konsument*innen, die sich meistens nicht einmal selbst gefährden.

Migrant*innen gehören zu den am schlimmsten Betroffenen des Knastsystems: für sie sind Dinge verboten, die für Menschen mit deutschem Pass Alltag sind: zum Beispiel den Landkreis zu verlassen. Hinzu kommt, dass Menschen in Abschiebegefängnisse gesteckt werden, denen keine Straftat vorgeworfen werden kann. Alleine das Ablaufen eines Papiers bringt hier Menschen hinter Gitter.

Die (Teil-)Privatisierung von Gefängnissen wirft weitere Probleme auf. Wenn Gefängnis und Profitinteresse zusammen trifft, entsteht ein Interesse an immer härteren Haftstrafen & höheren Gefangenenraten, siehe USA. Die Ausbeutung von Häftlingen ist ebenfalls ein Problem, wirbt doch z.B. der Landesbetrieb Vollzugliches Arbeitswesen mit „günstigen Konditionen“ für gewerbliche Kunden.

Wir fordern daher langfristig die Abschaffung alle Gefängnisse und eine Gesellschaft ohne Knäste!
Um das zu erreichen fordern wir heute:
Die Abschaffung der rassistischen Abschiebehaft und sofortiges Bleiberecht für alle Flüchtlinge, die Freilassung aller Drogen & Eigentumsgefangenen# und die Einführung eines Sozialsystems welches diesen Namen verdient hat, die Freilassung aller politischen Gefangenen auch nach Paragraph 129a und 129b, und ein besserer und psychologisch sinnvoller Umgang mit Gewalttäter*innen.

# Anmerkung eines ANT-Mitglieds:
Das heißt nicht, dass wir sofortige Straflosigkeit für alle Art von Besitz-Vergehen fordern!
Straflosigkeit fordern wir für bestimmte „Eigentumsgefangene“, also Menschen, die weil sie wenig haben, sich Dinge von Großeigentümern angeeignet/vergemeinschaftet haben: Großgeschäft-Ladendiebstahl, Hausbesetzung, Landbesetzung, usw. Allerdings meinen wir auch, dass für „Eigentumsgefangene“, die Privatpersonen schaden, nicht die Gefängnisstrafe das richtige ist. Hier gibt es andere Möglichkeiten. Der Großteils des Problem müsste mit einem Sozialsystem / einer Umverteilung angegangen werden.

Aufruf zum Aktionstag gegen eine geknastete Gesellschaft am 19.Juni 2010

Eine Gesellschaft zu kritisieren, die darauf basiert dass ein gewisser Teil der Bevölkerung eingesperrt wird, ist das Anliegen einer jeden radikalen linken oder emanzipatorischen Gruppe oder Einzelperson. Denn das Einsperren ist kein Schicksaal welches einigen „Gewaltverbrechern“ wiederfährt, sondern das System mit dem in profitorientierten oder autoritären Gesellschaften Konflikte weggesperrt und Widersprüche verdeckt werden.
Der große Teil der Inhaftierten wird wegen Verstoßes gegen Eigentumsparagraphen aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Wer sich der Verwertungslogik nicht unterwirft sondern an den geltenden Regeln vorbei seine Bedürfnisse befriedigen will wird bestraft. Aber auch die, die in den Mühlen der Verwertungsgesellschaft zu „Drogen“ und „Gewalt“ greifen oder gar politisch gegen sie vorgehen, werden als individuell „schuldig“ eingestuft und eingesperrt. Dadurch wird sichergestellt, dass sich nicht
mit den Ursachen dieser Gesetzesübertritte beschäftit werden muss, beziehungsweise deren Sinn überprüft werden muss.
Dass das Einsperren nichts mit „Resozialisierung“ zu tun hat, sondern eher mit „Asozialisierung“, Zermürbung, Demütigung, Verrohung, wird dabei verschwiegen. Ebenso dass die „Rückfallquote“ derart hoch ist, dass daraus gefolgert werden könnte, dass der Knast durch seine Zerstörung der Psyche erst die Vorraussetzung für viele grausamen Verbrechen schafft, anstatt diese zu bekämpfen.
Dazu kommt, dass sich eine Gefängnis-Industrie entwickelt, die mit dem Gefangenhalten von Menschen und der Ausbeutung ihrer Arbeitskraft viel Geld verdient. Der Landesbetrieb Vollzugliches Arbeitswesen (Justiz Baden-Württemberg) äußert offen wie die Arbeitskraft der Insassen verkauft wird und wirbt mit einem „breiten Leistungsspektrum“ für Betriebe „zu günstigen Konditionen“!
Damit verbunden sind Ansätze der Privatisierung von Knästen. Ein Knastbetreiber ist dann ein Unternehmen wie viele andere auch, welche als vorrangiges Ziel die Profitmaximierung haben, nichts anderes! Die Folgen der Privatisierung kann bereits in den USA beobachtet werden, wo die Gefängisindustrie die Härte der Strafen
dahingehend beinflusst, dass immer mehr billige Arbeitskräfte in den Gefängnissen zur Verfügung stehen (USA hat seit der Etablierung der Gefängnisindustrie mit 2,5 Mio Gefangene auf 310 Mio Einwohner die höchste Gefangenrate weltweit und nach „Rote Hilfe Hamburg“ die höchste in der Geschichte der Menschheit)!

Doch die Entwicklung spielt sich nicht nur innerhalb der Gefängnismauern ab, auch außerhalb steuert die Gesellschaft auf eine totale Überwachung hin: der Unterschied zwischen „drinnen“ und „draußen“ wird immer kleiner. Die Überwachung außerhalb äußert sich in Überwachungskameras, grundsätzliche Speicherung der Telefondaten und Internetverbindungen, häufige elektronische Aufzeichnung von Telefongesprächen,
Präventivüberwachungen von und Handyortung bei Einzelnen , aber auch in
elektronischer Registrierung jedes Arbeitenden, seiner/ihrer Fehltage,
Leistungen (die Datenbank ELENA) usw. Im Knast wie „draußen“ wird die
Vollzeitarbeit mit kleinen Konsumphasen am Abend und Wochenende zum einzig
akzeptierten und unbestraften verhalten verengt!

Deshalb schließt sich das ANT dem Aufruf von Gruppen aus Berlin, Kiel, Hamburg, Dresden, Köln und Wien zum deutschsprachigen Aktionstag gegen die Knastgesellschaft an!

Auch und gerade wenn Knast nicht euer Thema ist, nutzt diesen Tag um das Thema zu diskutieren und macht vielfältige öffentliche Aktionen in Tübingen, Reutlingen und Rottenburg!

Infos:
http://syndikalismus.wordpress.com/2010/05/12/aktionstag-gegen-eine-geknastete-gesellschaft-am-19-juni-2010/
http://www.autonomes-knastprojekt.blogspot.com/

Seite des ANT (anarchistischen Netzwerkes Tübingen) ant.blogsport.de

Glossar:
radikale Linke: die Linke die Probleme bei der Wurzel anpacken will (radix=Wurzel). Nicht-radikale Linke akzeptieren es teilweise, Konflikte wegzusperren, anstatt nach ihren Ursachen zu suchen.
emanzipatorisch: befreierisch von Emanzipation=Befreiung. Also die Freiheit als Ziel betrachtend.
Eigentumsparagraphen: Gesetze gegen Diebstahl(auch in Supermärkten), Sachbeschädigung usw.
Verwertungslogik: Die Idee, dass jeder Mensch Leistung bringen muss und das wichtigste von allem ist, dass etwas in Geld
messbaren „Wert“ bringt.
Verwertungsgesellschaft: Eine Gesellschaft, die nach der Verwertungslogik organisiert wird, also (fast?) alle staatlich organisierten Gesellschaften dieser Erde.
Präventivüberwachung: viele von uns werden über Jahre hinweg per Telefon, Internet, Handyortung usw. permanent überwacht; öffentlich wird dies erst, wenn jemandem eine schwerwiegende Straftat vorgeworfen werden kann