Archiv für März 2013

Freiheit und Gerechtigkeit – Geschichte der Ukraine aus libertärer Sicht


Lange Zeit war die Ukraine von Mitteleuropa aus gesehen ein Land am äußersten östlichen Rand des Kontinents und zudem im 20. Jahrhundert für über 70 Jahre hinter einem Eisernen Vorhang verborgen. Erst die sogenannte Orangene Revolution im Winter 2004 sorgte dafür, dass die politischen Verhältnisse in der Ukraine in Deutschland in den Massenmedien größeren Raum einnahmen und so in der deutschen Öffentlichkeit bekannter wurden.
Dabei blickt dieses osteuropäische Land auf eine bewegte und äußerst interessante Vergangenheit zurück. Gerade aus emanzipatorischer Sicht spielten sich in der Ukraine überaus wichtige und spannende Ereignisse ab. So organisierten sich die ukrainischen Kosaken an dem großen Fluss Dnjepr zu Beginn der Neuzeit bereits in einer egalitär-freiheitlichen Gemeinschaft, als die meisten europäischen Gesellschaften noch in einem absolutistischen Feudalsystem verharrten.

Von der antifeudalen Bewegung der Hajdamaken im 18. Jahrhundert führt die freiheitlich-progressive Spur in der ukrainischen Gesellschaft über die sozialrevolutionären Gruppen der Narodniki des Zarenreichs schließlich zur Entstehung aller modernen sozialistischen Strömungen innerhalb der Ukraine: Sozialdemokratie, Kommunismus, Anarchismus.
Während der Oktoberrevolution 1917/18 fiel daher nicht von ungefähr der neokosakische bäuerliche Anarchismus in der Ukraine auf so fruchtbaren Boden und ermöglichte in den Jahren 1917-21 in Teilen der Ost- und Südukraine ein freiheitliches gesellschaftliches Experiment, welches mit dem Namen Machnowschtschina bezeichnet wurde.
Der unbändige Freiheitswille der ukrainischen Massen und deren Kampf um ihre kulturelle bzw. sprachliche Eigenständigkeit, führte auch in der Sowjetphase dazu, dass die Ukraine sieben Jahrzehnte hindurch von der sowjetischen Zentrale in Moskau als eine unruhige und widerspenstige Teilrepublik angesehen und dementsprechend behandelt wurde. Seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1991 gestaltet sich der Alltag großer Teile der ukrainischen Bevölkerung äußerst mühevoll. Eingezwängt zwischen einer allgegenwärtigen Korruption, der Herrschaft gieriger Oligarchenclans und mafiöser Strukturen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, explodierte der Unmut der geknechteten Massen nach massiven Wahlfälschungen bei den Präsidentschaftswahlen 2004.
Dieses politische Lesebuch zur Geschichte der Ukraine schlägt noch mal die hoffnungsvollen und ermutigenden Kapitel in der Vergangenheit und Gegenwart dieses osteuropäischen Landes auf, verschweigt dabei auch die dunklen Seiten in der ukrainischen Historie nicht. Auf dem Weg zur Emanzipation der Menschheit lohnt es sich jedenfalls, einen Blick auf die bewegende Geschichte der Ukraine zu richten, um aus den faszinierenden Ereignissen und dem lang anhaltenden Kampf um egalitäre Verhältnisse – aber auch den bitteren Niederlagen – zu lernen.

Buchvorstellung und Diskussion mit Roman Danyluk
Freitag, 8.3.2013, 19:00 Uhr, Hausbar der Schellingstrasse